Vorerst keine Zustimmung für neues Hochhaus

Sind auf der Suche nach einer ...

machbaren Lösung: Die Bankvorstände Reinhold Coulon (links) und Wolfgang Schneder

Gilching (17. April 2018) – „Einstimmig abgelehnt“, lautete am Montag die Entscheidung des Gilchinger Bauausschusses in punkto Bauvorhaben Raiffeisenbank. Für diese Einmütigkeit sorgte ein Antrag der Bauwerber auf Verzicht von 26 Stellplätzen beim geplanten Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Römer-/Rathausstraße. Nun ist guter Rat teuer.

Der Antrag kam überraschend, sowohl für die Verwaltung als auch für das zu entscheidende Gremium. War stets von einer zweistöckigen Tiefgarage unter dem geplanten Gebäude anstelle des bereits abgerissenen Posthochhauses die Rede, soll die Tiefgarage jetzt nur noch aus einer Ebene bestehen. Begründung der Bank als Antragssteller: „Aus Gründen der Bodenbeschaffenheit wird die Herstellung einer zweiten Tiefgaragenebene nicht möglich.“ Im Klartext: Unterhalb des Steinberges besteht der schluffige Untergrund vorwiegend aus Kies, beziehungsweise fließt viel Wasser den Steinberg herunter. Ein Umstand, der nicht neu sei, mahnte Thomas Reich (FW) in der Haupt- und Bauausschusssitzung am Montag. „Mit diesem Problem haben alle zu kämpfen. Ich war entsetzt, als ich den Antrag auf Reduzierung der Stellplätze gelesen habe.“ Reich wies zudem darauf hin, dass auf dem Scherbaum-Grundstück gegenüber der Bauherr die eingeschlagenen Spundwände als Schutz gegen das drohende Hochwasser im Erdreich gelassen habe. Wie berichtet, entsteht dort ebenfalls ein mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus mit Café im Erdgeschoss. Reich: „Es ist schlichtweg falsch, wenn hier behauptet wird, dass man wegen der geologischen Verhältnisse nicht tiefer bauen kann. Es bedeutet allenfalls einen erheblichen Mehraufwand. Will man den nicht leisten, muss die Bausubstanz reduziert werden.“ Der Mehraufwand mache rund 1,6 Millionen Euro aus, erklärte einer der Experten für Bodenbeschaffenheit. Er räumte gleichzeitig ein, dass auch dann keine Garantie gegeben sei und es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu Problemen durch die starke Wassereinwirkung kommen könne.

Dem Vorhaben Stellplatzreduzierung stand auch Bürgermeister Manfred Walter ablehnend gegenüber. „Meine Fraktion hat sich ebenfalls eingehend mit dem Thema beschäftigt. Wir können uns nicht vorstellen, den Verlust dieser hohen Zahl an Stellplätzen gegen eine finanzielle Ablöse hinzunehmen. Wenn es unten nicht passt, muss halt oben reagiert werden“, sagte der Rathauschef und empfahl: „Entweder es wird kleiner gebaut oder es kommen Nutzungen rein, die keinen so großen Publikumsverkehr nach sich ziehen, wie es derzeit der Fall sein wird.“ Wie berichtet, sind in dem vierstöckigen Gebäude ein Supermarkt, eine Apotheke, die Radiologie, etlichen Arztpraxen und Wohnungen vorgesehen. Parkplätze sind im Zentrum generell Mangelware. Gemäß der Festsetzung im Bebauungsplan sind für das neue Hochhaus 107 Stellplätze nachzuweisen. Da eine Ebene in der Tiefgarage gestrichen werden soll, kommt der Antragssteller jedoch lediglich auf 81 Stellplätze. „Das ist eindeutig zu wenig“, mahnte Walter. Paul Vogl (CSU) kritisierte zudem, dass sich entgegen der ursprünglichen Pläne das Erdgeschoss mit Supermarkt weder durch Transparenz noch durch offene Schaufenster auszeichne. „Wir sind weit davon entfernt von dem, was wir wollten. Hier wird nicht mit offenen Karten gespielt“, warf er den Bankern vor. Einstimmig wurde der Antrag auf Stellplatzreduzierung abgelehnt, was auch die Ablehnung des anschließend zu beratenden Bauantrages ohne Diskussion zur Folge hatte. Beim Rausgehen räumte Raiffeisenvorstand Wolfang Schneider ein, das Problem der kritischen Bodenbeschaffenheit unterschätzt zu haben. „Jetzt müssen wir uns erst einmal mit den Planern und Gutachtern zusammensetzen und überlegen, was zu tun ist. Uns geht es gar nicht so sehr um den finanziellen Mehraufwand, sondern darum, dass auch bei allen bisher vorgeschlagenen Vorsichtsmaßnahmen ein Restrisiko bleibt. Das wollen wir nicht eingehen.“ Uli Singer